Ausrissversuche: Ein Interview mit unserem Experten Dominic Rieder
Autor: Dominic Rieder
von Dominic Rieder
Anwendungstechniker
Ausrissversuch bei Fassaden: So schaffen wir bei SAGER Planungssicherheit
Wer eine hinterlüftete Fassade plant, braucht verlässliche Grundlagen. Ein Ausrissversuch an der Fassade zeigt, wie tragfähig der vorhandene Untergrund tatsächlich ist und schafft damit die Basis für einen sicheren und wirtschaftlichen Fassadenaufbau. Für diesen Beitrag haben wir mit unserem Experten von SAGER, Dominic Rieder, gesprochen. Im Interview erklärt er, warum der Ausrissversuch weit mehr ist als eine technische Abklärung auf der Baustelle und worauf es in der Praxis wirklich ankommt.

Dominic, was genau ist ein Ausrissversuch und wofür wird er auf einer Baustelle durchgeführt?

Ein Ausrissversuch bestimmt die Tragfähigkeit des bestehenden Untergrunds. Damit schafft er die Grundlage für die statische Beurteilung eines Fassadenaufbaus. Besonders bei Mauerwerk ist ein Ausrissversuch zwingend. Anhand der Resultate wird der maximale Abstand der Konsolen und Profile bestimmt. Daraus lässt sich der Materialbedarf ableiten und auch das Unterkonstruktions-System gezielt optimieren. So hilft der Ausrissversuch nicht nur bei der statischen Sicherheit, sondern auch bei der wirtschaftlichen Planung.

Warum ist das Thema bei Fassaden und Befestigungen so wichtig?

Weil ein Ausrissversuch früh Klarheit schafft. Wenn wir wissen, welche Lasten im konkreten Untergrund zulässig sind, können wir Konsolen- und Profilabstände gezielt festlegen, den Materialauszug sauber erstellen und die Unterkonstruktion auf das Projekt abstimmen. Gleichzeitig lassen sich U-Wert-Vorgaben mit den maximalen Unterkonstruktionsrastern besser einhalten und im Vorfeld berechnen. Genau deshalb gibt ein Ausrissversuch nicht nur statische Sicherheit, sondern auch Kostensicherheit.

Welche Informationen braucht es im Vorfeld, damit ein Ausrissversuch sinnvoll vorbereitet werden kann?

Eine gute Vorbereitung ist entscheidend. Zuerst klären wir grundlegende Fragen: Was soll befestigt werden? Wo steht das Gebäude? Welcher Untergrund ist vorhanden? Welcher U-Wert muss erreicht werden? Welches Unterkonstruktions-System ist vorgesehen? Welche Verankerung wird gewählt? Und wird ein statisches Dokument verlangt? Diese Punkte bilden die Basis für alles Weitere.

Dazu kommen weitere projektrelevante Faktoren. Wir schauen an, ob das Gebäude exponiert liegt, ob der Staudruck am Standort bekannt ist, wie hoch das Gebäude ist und ob ein Minergie-Standard oder ein U-Wert-Nachweis gefordert wird. Auch die Fassadenbekleidung, ihr Gewicht, ein möglicher sekundärer Aufbau und die Art der Befestigung, sichtbar oder unsichtbar, beeinflussen die spätere Planung.

Welche Rolle spielt der Untergrund in der Praxis?

Eine sehr grosse. Untergrund ist nicht gleich Untergrund. Selbst am gleichen Gebäude können unterschiedliche Qualitäten von Mauerwerk vorkommen. Dazu kommt, dass auch die Verarbeitung des Untergrunds eine Rolle spielt, etwa Fugen, Absätze, Übergänge oder Dilitationen. Gleichzeitig müssen wir wissen, wo gar nicht befestigt werden darf, zum Beispiel in Steigzonen, bei Aussparungen, im Bereich von Brandschutzanforderungen oder bei Erdbebenverstärkungen.

Gerade deshalb reichen Standardannahmen in der Praxis oft nicht aus. Wir müssen den real vorhandenen Untergrund prüfen, damit die spätere Planung auf verlässlichen Werten beruht. Auch die SFHF/IFD-Richtlinie zu Toleranzen bei vorgehängten hinterlüfteten Fassaden weist darauf hin, dass Untergrundtoleranzen bei Planung und Ausführung berücksichtigt werden müssen und die Unterkonstruktion entsprechend darauf abzustimmen ist.

Worauf achten wir bei Verankerungen und Randabständen?

Die Wahl der Verankerung muss immer zum Untergrund und zum Aufbau passen. Entscheidend sind unter anderem die Frage, ob in Beton oder Mauerwerk verankert wird, welche Verankerungstiefen möglich sind und welches Konsolen- oder Befestigungssystem eingesetzt wird. Ebenso wichtig sind die Randabstände. Als Standard gelten bei Mauerwerk Randabstände von 2x Dübelsetztiefe und bei Beton 1.5x Dübelsetztiefe.

Für die Planung relevant sind ausserdem die Profilabstände, die Konsolenabstände und der Profilüberstand. Diese Werte wirken sich direkt auf die Unterkonstruktion und auf den Materialbedarf aus.

Wie läuft ein Ausrissversuch vor Ort ab?

Vor Ort werden mindestens zehn Löcher über das Gebäude verteilt gebohrt. Diese Bohrstellen werden nummeriert, fotografiert und sauber dokumentiert. Anschliessend tragen wir die gemessenen Werte in unser Berechnungstool ein. Daraus ergibt sich der Schlusswert für die zulässige Last im bestehenden Untergrund.

Spannend ist dabei, dass sich selbst am gleichen Gebäude Unterschiede zeigen können. Unterschiedliche Qualitäten im Mauerwerk führen auch zu unterschiedlichen Zuglasten. Genau deshalb ist es so wichtig, den tatsächlichen Untergrund am Objekt zu prüfen und nicht nur mit Annahmen zu arbeiten.

Wie helfen Ausrissversuche bei der Optimierung der Unterkonstruktion?

Die Resultate fliessen direkt in die weitere Planung ein. Sie helfen uns zu klären, ob ein Minergie-Standard oder ein bestimmter U-Wert vorgegeben ist, ob ein U-Wert-Nachweis benötigt wird, wie sich die Dämmstärke auf die Konsolenstatik auswirkt und wie sich die Anzahl Konsolen so optimieren lässt, dass auch der U-Wert verbessert werden kann.

Zusätzlich schauen wir an, welches Unterkonstruktions-System gewählt wurde, ob horizontal oder vertikal aufgebaut wird, welche Art der Bekleidungsbefestigung vorgesehen ist und ob verschiedene Bekleidungen in einer Fassadenfläche vorkommen. Aus all diesen Angaben entsteht eine massgeschneiderte Unterkonstruktion für das konkrete Projekt.

Welche Resultate erhalten Planer und Ausführende am Schluss?

Je nach Projekt können verschiedene Unterlagen daraus entstehen. Dazu gehören ein Protokoll für die Objektstatik, falls ein solches verlangt wird, ein Dübel-Prüfungsprotokoll, die Ausgabe der maximal zulässigen Abstände sowie ein Konsolen- und Profilraster auf Fassadenplänen. Damit endet der Ausrissversuch nicht bei der Messung auf der Baustelle, sondern wird zur belastbaren Grundlage für Planung, Ausschreibung und Ausführung.

Fazit

Ein Ausrissversuch schafft früh Klarheit. Er zeigt, was der vorhandene Untergrund tatsächlich leistet, und hilft dabei, Verankerungen, Unterkonstruktion, Raster und Materialeinsatz projektspezifisch zu planen. Gerade bei hinterlüfteten Fassaden ist er deshalb weit mehr als eine technische Abklärung. Er schafft die Grundlage für sichere, wirtschaftliche und sauber abgestimmte Lösungen und unterstützt sowohl die statische als auch die wirtschaftliche Planung.

Für die Planung einer hinterlüfteten Fassade oder die Durchführung eines Ausrissversuchs steht Ihnen unser Fachteam gerne zur Verfügung.

Ausrissversuch an einer hinterlüfteten Fassade

Messung der Auszugslast

Prüfung des Untergrunds für die Fassadenunterkonstruktion